Konfirmandengabe 2020/2021

Kinder in Brasilien fürs Leben stärken

 

Agatha

Agatha (2) hat keinen leichten Start ins Leben. Ihre Mutter stirbt bei ihrer Geburt. Einen Vater hat sie auch nicht. Er handelt mit Drogen und wird eines Tages erschossen, noch bevor Agatha auf die Welt kommt. Agatha wird viel zu früh geboren und hat gesundheitliche Probleme. Sie muss ihre ersten Lebensmonate im Krankenhaus verbringen. Medizinisch wird sie dort versorgt, doch es gibt niemanden, der sie besucht, in den Arm nimmt und tröstet. Agatha hat noch einen vierjährigen Bruder. Nach dem Tod der Mutter kommt er zu den Großeltern. Später holen sie auch Agatha zu sich.

Es ist für alle kein leichtes Leben. Die Großeltern sind zu alt, um noch einmal Kinder groß zu ziehen. Und sie sind sehr arm. Sie leben in einer Favela (Armutsviertel) in Ipanema, einem Stadtteil im Süden von Rio de Janeiro.

Leben auf der Schattenseite

In Ipanema prallen zwei Welten aufeinander: Es gibt einen tollen Strand, edle Luxusgeschäfte und teure Restaurants - die Welt der Reichen. Ein paar Straßen weiter schrauben sich Behausungen eng aneinander geschachtelt den Berghang hinauf - die Favelas Cantagalo und Pavão. Die Welt der Armen.

In einem dieser notdürftig errichteten Häuser leben Agatha, ihr Bruder und die Großeltern. Durch die unverputzten Mauern dringt Feuchtigkeit ins Haus. Oft fällt der Strom aus und es fließt kein Wasser aus der Leitung. Es gibt Tage, da haben die Vier nicht genug zu essen. Agathas Opa verdient etwas Geld als Hilfsarbeiter, doch das reicht gerade so für die Miete.

Drogenbosse kontrollieren das Leben in den Favelas; wer sich nicht an die Regeln hält oder die Miete nicht mehr zahlen kann, fliegt raus. Die nächtlichen Schießereien zwischen Drogenbanden rauben ihnen den Schlaf. Wie soll Agatha da zu Kräften kommen? Immer wieder bekommt sie Lungenentzündungen und leidet unter Atembeschwerden.

Lichtblick

In ihrer Not wenden sich die Großeltern an das Bom Samaritano* - ein evangelisches Sozialzentrum mit Kindergarten und Vorschule in der Nähe der Favela. Agatha hat Glück: sie wird dort aufgenommen. Vieles wendet sich nun zum Guten. Die Mitarbeitenden kümmern sich liebevoll um die Kleine. Sie achten auf Agathas Gesundheit und Körperpflege. Täglich bekommt sie vier stärkende Mahlzeiten. Sie wird zum Spielen und Lernen angeregt; das hilft ihr, sich gut zu entwickeln.

Im Bom Samaritano ist Platz für 100 Kinder. Die meisten kommen aus den angrenzenden Favelas. Sie sind zwischen zwei und sechs Jahre alt. „Der Bedarf an Hilfe ist groß, wir haben eine lange Warteliste“, erzählt die Leiterin des Sozialzentrums, Diakonin Vilma Petsch. „Die Entscheidung für oder gegen die Aufnahme eines Kindes fällt uns nicht leicht. Meist sind es die Ärmsten der Armen, so wie Agatha.“

* Dt.: Barmherziger Samariter

Bom Samaritano

Seit 40 Jahren gibt es das Bom Samaritano. „Es ist ein Ort der Liebe und Solidarität mit den Schwächsten“, sagt Diana. Sie ist eine, die es wissen muss. In der Favela aufgewachsen, war sie als Kind selbst im Bom Samaritano. Dann besuchte sie eine Schule und schaffte sogar ein Studium. Heute arbeitet Diana als Leiterin einer Bank. Mit Hilfe des Sozialzentrums hat sie es geschafft, der Armut zu entfliehen.

Die Mitarbeitenden im Bom Samaritano arbeiten engagiert zusammen, um Kindern wie Agatha oder früher Diana zu helfen: Pädagogische Fach- und Hilfskräfte, Ernährungsberater, Ärzte, Küchen- und Reinigungspersonal. Sie geben den Kleinen das, worauf alle Kinder ein Recht haben: Liebe und Achtung, Essen und Gesundheitsfürsorge, Erziehung und Bildung. Die Familien der Kinder werden in die Arbeit mit einbezogen. Sie bekommen Hilfe bei Problemen (z.B. häusliche Gewalt), werden über Ernährung und Hygiene aufgeklärt und über ihre Rechte informiert.