Der MLV in Geschichte und Gegenwart

Seit 1860: „Lutherischer Gotteskasten“

Im Jahr 1860, in einer Zeit der allgemeinen Neubesinnung auf die Bedeutung des lutherischen Bekenntnisses, erkannten lutherische Christen aus Bayern eine besondere Verantwortung für Glaubensgeschwister evangelisch-lutherischen Bekenntnisses in der Diaspora des eigenen Landes und der ganzen Welt. Sie gründeten in Hersbruck den Verein „Lutherischer Gotteskasten in Bayern“.

Zweck des Vereins war laut Satzung,

„die in der Zerstreuung, d.h. unter fremden Confessionsangehörigen lebenden lutherischen Glaubensgenossen inner- und außerhalb Bayerns in ihrer kirchlichen Not zu unterstützen.“

Dieser Zweck ist bis heute unverändert.

Auch in anderen lutherischen Landeskirchen gab es ähnliche Vereinsgründungen. Der bayerische Verein stellte sich in die Gemeinschaft der „Verbündeten Lutherischen Gotteskasten“.

Seit 1932: „Martin-Luther-Verein“

1932 änderten die verbündeten lutherischen Gotteskastenvereine ihren Namen und nannten sich von da an „Martin-Luther-Bund“ (MLB). Gleichzeitig erfolgte auch in Bayern die neue Namensgebung. Seither ist der „Martin-Luther-Verein in Bayern e. V.“ im Verbund mit dem „Martin-Luther-Bund“ zum Dienst für die lutherische Diaspora am Werk. Der Martin-Luther-Bund ist heute das Diasporawerk der „Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands“ (VELKD), des Dachverbandes der lutherischen Landeskirchen in Deutschland.

Arbeitsgemeinschaft der Diasporadienste

Das ältere protestantische Diasporawerk, das Gustav-Adolf-Werk, wirkt seit 1832 von Leipzig aus für die Diaspora in Deutschland und im Ausland. Seit 1851 gibt es eine bayerische Untergruppe. Der Martin-Luther-Verein in Bayern betreibt heute zusammen mit dem bayerischen Gustav-Adolf-Werk unter dem Namen „Arbeitsgemeinschaft der Diasporadienste“ eine gemeinsame Geschäftsstelle in Neuendettelsau.

Brasilien – ein Arbeitsschwerpunkt des MLV

Kolonisten in Serro Azul (Ende 19./Anfang 20. Jhdt.)
Kolonisten in Serro Azul (Ende 19./Anfang 20. Jhdt.)

Im Auftrag der verbündeten lutherischen Gotteskastenvereine übernahm der bayerische Martin-Luther-Verein im Jahr 1896 einen besonderen Schwerpunkt: Die Fürsorge für die lutherischen Gemeinden Brasiliens.

1897 wurde Pfarrer Otto Kuhr im Auftrag des Lutherischen Gotteskastens zum Dienst nach Brasilien entsandt, bis heute sind über 150 Pfarrer diesem Beispiel gefolgt. Die durch den Verein entsandten Pastoren nannten ihren ersten übergemeindlichen Zusammenschluss in Brasilien „Gotteskastensynode“. Sie haben maßgeblich zur Entstehung der heutigen „Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien“ (IECLB) beigetragen.