Konfirmandengabe 2019

Ein Kindergarten für Südafrika

 

Azande

Azande ist im Zululand in Südafrika zu Hause. Ins Englische übersetzt, bedeutet sein Name: „Let him increase“. Azande soll wachsen dürfen, groß werden, etwas erreichen im Leben -das hat sich seine Mutter wohl für ihn gewünscht, als sie ihm diesen Namen gab. Ein verständlicher Wunsch, wenn man weiß, wo und wie der Zweieinhalbjährige lebt. 

Das Zululand ist eine unterentwickelte Region: keine geteerten Straßen, Dörfer meist ohne Strom und Wasserleitungen, der Weg zum nächsten Arzt ist weit. Die Menschen finden hier kaum Arbeit. Viele leben in großer Armut. Auch Azandes Familie. Mit seiner Mutter wohnt er im Haus der Großmutter -zusammen mit vielen anderen auf engem Raum. Da sind noch die Schwestern seiner Großmutter. Und die Schwestern seiner Mutter mit ihren Kindern. Die Frauen und Kinder sind auf sich alleine gestellt. Azandes Großvater, einer seiner Onkel und auch sein Vater sind an Aids gestorben, eine Krankheit, die in Südafrika weit verbreitet ist und ohne medizinische Hilfe schnell zum Tod führt. 

Gemeinsam statt einsam

Azandes Lieblingscousin ist Amahle (3). Bis vor einem halben Jahr waren die beiden zu Hause oft sich selbst überlassen. Die älteren Kinder gehen in die Schule. Die Mütter und Großmütter haben alle Hände voll zu tun: Feuerholz sammeln, Wasser vom Fluss holen, Wäsche waschen, auf dem Feld arbeiten, Essen kochen. Da bleibt keine Zeit, sich um Azande und Amahle zu kümmern. Manchmal sind die beiden Jungs ein ganzes Stück Weg bis zu den Nachbarn gelaufen, nur um nicht alleine zu sein. Am Nachmittag haben ihre Mütter sie dann verärgert dort wieder eingesammelt.

Doch jetzt ist alles anders: Azande und Amahle sind jetzt Kindergarten-Kinder! Sie besuchen wochentags die Kindergarten-Gruppe von Schwester Lindeni im Ethembeni Care Center. Sie lieben es dort zu sein. Schwester Lindeni ist immer für sie da und mit den 27 anderen Kindern wird es nie langweilig. Sie spielen und lernen zusammen und bekommen zwischendurch gesundes Essen. Azande und Amahle haben schon gelernt, wie die Wochentage auf Englisch und die Monate in der Zulu-Sprache heißen.

Gute Zukunft dank Kindergarten

Die Kindergarten-Gruppe ist eine große Chance für Azande. Hier wird er gut betreut und in seiner frühkindlichen Entwicklung gefördert. Das erleichtert ihm später den Start in der Schule. Und es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er gut durch die Schule kommt und einen Abschluss schafft. Mit einem Schulabschluss kann Azande Arbeit finden und Geld verdienen -die Voraussetzung für ein besseres Leben. 

Schwester Lindeni ist ausgebildete Erzieherin. Im Sommer 2018 hat sie das Kindergarten-Projekt gestartet; vorerst in der kleinen Kirche auf dem Gelände des Care Centers. „Im Zululand fangen wir mit dem an, was wir haben, und ist es noch so wenig“, sagt Schwester Lindeni. Sie steckt viel Herz in diese Arbeit mit den Kindern. Hilfreich wären mehr Spiel- und Lernmaterial und weitere Mitarbeiter; dafür hofft sie auf Spenden. Die Kirche erfüllt auch nicht die staatlichen Vorgaben für die Arbeit mit Kindern. Sie ist zu klein, oft wird es darin unerträglich heiß und es gibt keinen Waschraum mit Toiletten. Deshalb soll möglichst bald ein einfacher Kindergarten gebaut werden. „Dann bekommen wir auch Unterstützung vom Staat und könnennoch mehr Kinder aufnehmen und fördern“, freut sich Schwester Lindeni.

Ethembeni Care Center

Das Ethembeni* Care Center in Swart Mfolozi wurde von Schwestern der Christusbruderschaft in Selbitz (Evangelischer Orden in Bayern) aufgebaut -gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika und Unterstützern aus Deutschland, zu denen auch der Martin-Luther-Verein gehört. Mit Tatkraft und Nächstenliebe waren die Selbitzer Schwestern seit 2004 für die Menschen im Zululand da: Sie verteilten Lebensmittelpakete und Medikamente, halfen bei Problemen, trösteten Aids-Waisen in ihrer Trauer um die Eltern. Von Spenden kauften sie Schuluniformen für Kinder aus armen Familien und ermöglichten ihnen so den Schulbesuch. Ende 2017 übergaben die Selbitzer Schwestern das Care Center in einheimische Hände. Schwester Happiness (Pfarrerin), Schwester Lindeni (Erzieherin) und Schwester Sithembile (…) von der Kenosis-Gemeinschaft führen diese segensreiche Arbeit nun weiter. Im Martin-Luther-Verein sind wir dankbar für diesen gelungenen Übergang und werden das Projekt weiter unterstützen.  

*Ethembeni (Zulu-Sprache: Ort der Hoffnung)