Licht welcher Welt?

LandesdiasporaTag 2016 mit Gästen aus Brasilien

 

Als Kirche sind wir gesandt in Gottes eine Welt. Welche Welt ist das, in Brasilien, in Deutschland, in Europa? Wie leben evangelische Gemeinden in Süd und Nord, im Kernland der Reformation und in der Diaspora, ihren Auftrag? Wie bringen wir das Licht Christi zu den Menschen? Was können wir voneinander lernen und wo ist Unterstützung nötig?

Zu einem spannenden Forum für Information und Austausch rund um diese Fragen wurde der LandesDiasporaTag 2016 (LDT) in Bayern, den die beiden Diasporawerke, Gustav-Adolf-Werk und Martin-Luther-Verein, diesmal in Kooperation mit dem Pastoralkolleg im Juni in Neuendettelsau veranstalteten. Als besondere Gäste begrüßte der Vorsitzende des GAW Bayern, Wolfgang Layh, 25 Pfarrerinnen und Pfarrer aus Bayern und Brasilien. Sie nahmen im Rahmen des 2. Bayerisch-Brasilianischen Pastoralkollegs nicht nur am LDT teil, sondern bereicherten die Tagung mit eigenen Beiträgen.
 

Foto (Gröschel-Pickel): Die brasilianischen Pastoren Adriel Raach (li) und João Paulo Auler beim LDT 2016

Aus den Reihen der brasilianischen Gäste beleuchteten Adriel Raach und João Paulo Auler ihre sehr unterschiedlichen Arbeitsfelder. Pastor Raach ist für fünf Gemeinden im nördlichen Bundesstaat Pará verantwortlich. Die etwa 250 Gemeindeglieder leben über 500 Kilometer verteilt an der Transamazônica. Sowohl die Lebensbedingungen der Menschen als auch die Arbeitsbedingungen für den jungen Pfarrer sind in diesem Gebiet Brasiliens extrem, doch an eine Schließung der Gemeinden denkt in der Leitung der Brasilianischen Lutherischen Kirche (IECLB) niemand. Für die Menschen, die sich im Amazonasgebiet eine Existenz aufbauen wollen, sind die kleinen Gemeinden ein wichtiger Raum der Geborgenheit, Gemeinschaft und Stärkung. Ganz anders, doch nicht weniger herausfordernd, gestaltet sich der Arbeitsalltag von Pastor Auler in Vitória, der Bundeshauptstadt des Staates Espírito Santo mit einer halben Million Einwohner. Er leitet dort die Albergue Martim Lutero, eine Herberge für Krebspatienten. Da die medizinische Versorgung auf dem Land oft sehr schlecht ist, reisen die Menschen von weit her an, um sich in Vitória einer Krebsbehandlung zu unterziehen. In der Albergue bekommen sie Unterkunft und Verpflegung, Unterstützung bei bürokratischen Angelegenheiten und seelsorgerliche Begleitung. Darüber hinaus ist das Team um Pastor Auler in Kooperation mit der Universitätsklinik auch präventiv in der Krebsvorbeugung und –früherkennung tätig.

Nach diesem Einblick in gesellschaftliche und pastorale Realitäten in Brasilien informierten zwei weitere Referenten über Diasporakirchen in Mittel- und Osteuropa: Pfarrer Klaus Göldner, Diasporabeauftragter im Dekanat Regensburg, erzählte sehr engagiert von der fast 25-jährigen Partnerschaft zwischen dem bayerischen Donaudekanat und der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Odessa (Ukraine). Dabei kam auch die derzeitige schwierige Situation in der DELKU zur Sprache, die mit Betroffenheit und Sorge über deren Zukunft einhergeht. Dietrich Tiggemann aus Augsburg, selbst einige Jahre in der EKD-Auslandsgemeinde in Budapest tätig gewesen, zeigte sich als profunder Kenner  der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn. Er gab eine für das Verstehen wichtige Zusammenfassung über die Geschichte dieser Diasporakirche und zeigte die Stärken, Herausforderungen und Grenzen der evangelischen Minderheit in der ungarischen Gesellschaft heute auf.

Die vier informativen Impulsreferate am Vormittag fanden eine intensive Fortsetzung und Vertiefung in Workshops am Nachmittag. Vielfältige positive Rückmeldungen sind für das Vorbereitungsteam im Hinblick auf den nächsten bayerischen LandesDiasporaTag 2018 ein Ansporn, erneut ein Programm zusammenzustellen, das die Anliegen und Aufgaben der Diasporaarbeit in die kirchliche Öffentlichkeit bringt – oder besser noch darüber hinaus!

Heike Gröschel-Pickel, Geschäftsführerin GAW Bayern

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